Inis (2016)

Inis (2016) ist ein sehr schön gestaltetes keltisches „Area Control“ Game von Christian Martinez für zwei bis vier Spieler. Nach Kemet (2012), dem letzten Spiel aus dem Segment vom Publisher Matagot, überzeugt Inis durch den deutlich einfacheren Einstieg bei gleichbleibend hoher taktischer Komplexität.

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Statt Worker Placement kommen hier Karten ins Spiel:

  • Alles läuft über die Karten: Durch Kartenaktionen kommen neue Figuren, Zitadellen, Heiligtümer und sogar neue Gebiete ins Spiel. Auch die Bewegung der Figuren wird mit den Karten gesteuert.
  • Eine Aktion nach der anderen: Abwechselnd werden in einer Runde Aktionskarten ausgespielt. Davor, danach und auch als Reaktion können weitere Karten gespielt werden – die Spontankarten. Ihr könnt euch jetzt schon auf die Kombinationen freuen. Eine Runde endet, wenn alle hintereinander gepasst haben – d.h. man kann nach einem Passen ggf. auch wieder einsteigen.
  • Sieg nur mit Ankündigung: Wer in 6 Gebieten mindestens eine Figur stehen hat oder mindestens 6 gegnerische Figuren unter seiner Vorherrschaft hat oder sich in Gebieten befindet, in denen 6 Heiligtümer stehen, kündigt seinen Anspruch auf den Sieg anstelle einer Aktionen an. Erst nach Ende der Runde wird geprüft, ob die Siegbedingung immer noch zutrifft und der Sieger verkündet.

Die übersichtlichen Karten zeigen malerische Charaktere, Situationen und Landschaften. Zum Kartentext gibt es so auch Symbole auf den Karten, die dem Spieler einen schnellen Überblick geben.

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Toll ist auch die thematische Raffinesse – so erhält der Spieler nicht nur Aktionen der Götter und Mythen, sondern erfährt auf der ersten Seite der Anleitung auch noch wie die Karten mit den Sagen zusammenhängen.

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Insgesamt gibt es drei Arten von Karten:

  • Über die grünen Grundkarten erfolgen die Hauptaktionen. Die Karten werden zu Beginn jeder Runde durch ein Drafting-System an die Mitspieler verteilt: Zuerst wählt jeder eine Karte und gibt die anderen weiter – aber schon beim nächsten Mal darf man seine brandneue Karte wieder zu den Drafting-Karten hinzufügen und zwei neue behalten. Und so weiter…
  • Die roten Epic Karten erhält man durch Kartenaktionen. Während die Grundkarten jedem schnell bekannt sind, bieten die Spezialkarten ein schönes Überraschungsmoment – besonderes im Kampf.
  • Die gelben Gebietskarten erhält man durch die Vorherrschaft in dem jeweiligen Gebiet (mehr eigene Figuren als andere). Da diese Karten offen neben dem Spielplan positioniert werden, sobald ein Gebiet entdeckt wird, weiß man wenigstens was auf einen zukommt.

Lasst uns noch einen Blick auf das Kampfsystem werfen: Ein Kampf wird immer dann ausgelöst, wenn jemand ein anderes Gebiet betritt. Da ein Kampf aber vielleicht gar nicht erwünscht ist, dürfen die Spieler gemeinsam entscheiden, ob sie nicht lieber Frieden schließen ohne Blut zu vergießen. Falls es doch zum Angriff kommt, darf der Angegriffene noch schnell in die Zitadelle flüchten – diese Figur bzw. Figuren bei mehreren Zitadellen sind geschützt.

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Dann wird’s ernst: Zuerst entscheidet der Verteidigende, ob er eine Figur oder eine grüne Karte an die erste angreifende Figur des Gegners verliert. Nun attackiert man sich gegenseitig, so lange, bis einer der beiden keine Figuren mehr im Gebiet hat, mit denen er angreifen könnte. Durch zeitweiligen Friedensgesprächen kann jeder Zeit das Kriegsbeil begraben werden.

Und nun mögen die Schicksalsraben den Sieger bestimmen – oder zumindest die Zugreihenfolge.

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Fazit

Das Spiel hat viel Tiefgang und ist gleichzeitig mit circa einer Stunde kürzer als erwartet. Auch der Aufbau ist einfach und schnell. Dabei ist es durch die ständige Interaktion sehr kurzweilig. Wenn die letzte Runde absehbar wird, liefert man sich ein Kopf an Kopf-Rennen, bei dem man bis zuletzt nicht weiß, welche Siegbedingung sich durchsetzen wird. Dadurch ist es auch ausgewogen, weil man sich nicht wie bei anderen Spielen zu sehr auf eine Bedingung fixieren muss und mit dem „falschen“ Weg der Sieg sofort verspielt wird.

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P. S. Vielen Dank auch für die hünschen Beutel, die es in Essen für jeden Spieler gab.

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Microworld (2016)

Microworld (2016) ist ein kleines nettes Strategiespiel von Martino Chiacchiera für zwei Spieler, die sich im Körper als Viren und Antikörper einen Kampf liefern.

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Das Aussehen erinnert an Smallworld  und auch hier geht es um „Area Control“, nur mit noch einfacheren Regeln:

  • Spielablauf: Abwechselnd legt einer nach dem anderen seine Plättchen an das letzte vom Gegenspieler gelegte Plättchen bis alle 28 auf dem Plan verteilt sind.
  • Punkte gibt es nach jedem Zug für alle eigenen an das gelegte angrenzenden Plättchen und am Ende für die durch Plättchenmehrheit kontrollierten zusammenhängenden Regionen.
  • 6 aus 9 Sonderaktionen erhält man beim Legen in das jeweilige Feld mit dem Sonderplättchen – eingesetzt wird es in einer der folgenden Runden (max. 1 pro Zug).

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Spannend wird es dann, wenn man weitere Regeln ergänzt – dafür gibt es ein eigenes Regelbuch mit 8 variablen Regeln A-H.

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Das Spielverhalten ändert sich schlagartig. Hinzu kommen neue Aktionen, neue Ziele oder neue Punktwertungen. Plötzlich sind die Muskelfelder (rot) doppelt so viel wert und die Schleimgewebe (grün) nichts mehr oder Sonderwertungen treiben dich an, noch mehr Punkte während der Züge zu holen.

So war es z. B. Sebastian möglich, mit seiner Charaktereigenschaft „Vertausche dein Plättchen mit einem anderen“ meinen atomar infizierten Virus (= bedeutet keine Wertung der Region) aus einer Region wegzutauschen und damit auch die Mehrheit in der Region zu erhalten und die Wertung wieder zu aktivieren, da mein Plättchen nun in einer anderen Region lag.

Ein weiterer Pluspunkt ist der modulare Aufbau des Spielbrettes mit 4 beidseitig bedruckten Feldern.

Fazit

Schön und einfach überzeugt das Spiel für 2 Personen insbesondere durch die variablen Regeln. Man hat Lust auf die nächste und gleich wieder nächste Runde, einfach weil es so viele Möglichkeiten gibt, neue Regeln zu kombinieren. Die Sonderaktionen sind hilfreich und geben dem Spieler die Möglichkeit kreativ in das Spiel einzugreifen. Es ist schnell aufgebaut und mit 10-15 Minuten Spielzeit das perfekte Spiel für Zwischendurch.

Roll for the Galaxy (2014)

Das bisher leider nur auf Englisch erschienene Strategiespiel Roll for the Galaxy (2014) ist die Würfelvariante zum Kartenspiel Race for the Galaxy (2007).

Lange Zeit war das Spiel Mittelpunkt verschiedener Gerüchte, niemand war sich sicher, ob es jemals erscheinen wird. Das erste veröffentlichte Cover wurde schon als Hoax abgestempelt und selbst nach der positiven Stellungnahme des Publishers (Rio Grande Games), dass das Spiel erscheinen wird, schien ein Release fraglich.

Im November 2014 ist Roll for the Galaxy dann doch erschienen und man bekommt es heutzutage sogar bei Amazon; leider kostet es meistens über 70 €.

Für den Preis bekommt man über 100 „Custom Dice“ (speziell für das Spiel hergestellte Würfel), viele dicke Papp-Plättchen, 5 Plastik-Würfelbecher und wenn man Glück hat sogar eine Anleitung (bei uns hat sie gefehlt).

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Bei dem Spiel an sich geht es darum, mit Würfeln, die als Arbeiter eingesetzt werden können, Technologien zu erforschen und Planeten zu besiedeln.

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Technologien bringen spielerische Vorteile (mehr Geld, Würfel entgegen der Regeln setzen), Planeten geben neue Würfel. Es gibt 7 verschiedene Würfelfarben, die über verschiedene Verteilungen von Aktionen verfügen. Je nachdem, welche Planeten man baut, bekommt man die verschiedenfarbigen Würfel. So stellt man sich, ähnlich wie bei einem Deckbauspiel, seine optimierte Arbeiterschaft zusammen.

Das Spiel endet, wenn eine gewisse Anzahl an Technologien erforscht oder Planeten besiedelt wurden.

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Bewertung

Das Spiel ist sehr schnell aufgebaut, relativ schnell erklärt und spielt sich in angenehmen 45 Minuten. Und das unabhängig von der Spielerzahl (2-5), da die meisten Aktionen parallel ablaufen.

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Wir haben das Spiel mittlerweile zu zweit, zu dritt und zu viert gespielt und es hat uns in allen Varianten gefallen.

Roll for the Galaxy hat bis jetzt jedem, mit dem wir gespielt haben, Spaß gemacht und auch wir holen es immer wieder gerne aus dem Regal.

Das Spiel ist nicht zu glückslastig, es passiert aber schon hin und wieder, dass ein Spiel überhaupt nicht läuft. Die kurze Spielzeit mildert den Frust jedoch ab.

Man hat während des Spiels genügend Entscheidungen zu treffen, das Spiel ist kurzweilig und jede Runde macht Spaß; von Anfang an.

Ein tolles Würfelspiel mit tollem Material und eine würdige Variante zum auch von uns sehr geschätzten Race for the Galaxy.

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PS: Wer sich fragt, wie sich Roll im Vergleich zu Race schlägt, es bleibt dem Thema treu, viele Mechaniken lassen sich wiederentdecken, es ist aber trotzdem verschieden genug um beide zu haben.

 

Imperial Settlers (2014)

Imperial Settlers ist ein Kartenspiel des polnischen Spieleentwicklers Ignacy Trzewiczek. Ignacy hat zuletzt mit dem Co-Op Spiel „Robinson Crusoe“ auf sich aufmerksam gemacht, eingefleischte Computerspieler freuen sich schon auf „The Witcher Adventure Game“.

Das Spielmaterial besteht aus 220 Karten, Holzspielsteinen für die 4 Grundressourcen (Holz, Stein, Nahrung, Arbeiter) und dazu noch zahlreichen Kartonplättchen für Angriffs- und Verteidigungsmarker, Gold und sonstige Spielmechaniken.

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Spielbeschreibung

Bei Imperial Settlers versucht man mit einer von vier Fraktionen, den Römern, Barbaren, Japanern oder Ägyptern, die erfolgreichste Zivilisation aufzubauen. Der Erfolg wird dabei anhand von Siegpunkten gemessen, die man durch das Errichten von Gebäuden, durch Karteneffekte oder als Belohnung für einen Handel erlangen kann.

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Für jedes Volk gibt es ein 30 Karten umfassendes Spezialdeck, ein zweites Deck mit allgemeinen Zivilisationskarten steht allen Spielern zur Verfügung. Jede Karte hat bis zu zwei Funktionen, diese unterscheiden sich aber, je nachdem ob es eine völkerspezifische oder allgemeine Karte ist. Grundsätzlich repräsentiert jede Karte ein Gebäude, dass man im Tausch gegen Ressourcen vor sich ablegen kann. Zusätzlich können völkerspezifische Karten als Handelskarte abgelegt werden, sie produziert dann jede Runde eine Ressource. Allgemeine Karten können abgeschmissen werden, um einmalig eine, manchmal auch mehrere Ressourcen, einzubringen.

Als Gebäude ins Spiel gebrachte Karten lassen sich ihrerseits in drei Unterkategorien einordnen:

  • Produktionsgebäude produzieren, das erste mal direkt nach dem Ausspielen, danach zu Beginn jeder Runde, Ressourcen.
  • Eigenschaftsgebäude bieten dauerhafte Effekte, z.B. Siegpunkte für das Ausspielen bestimmter Karten.
  • Auf Aktionsgebäude können z. B. eigene Arbeiter gestellt werden, um Ressourcen zu erzeugen oder Siegpunkte zu generieren.

Das Spiel selbst läuft über fünf Runden zu je vier Phasen.

  • In Phase 1 erhält man je eine Karte seiner eigenen Kultur und 2 allgemeine Karten.
  • In Phase 2 werden Ressourcen produziert.
  • In Phase 3 können abwechselnd Aktionen durchgeführt werden. Es können Gebäude errichtet, Handel abgeschlossen, gegnerische Gebäude überfallen (zerstört) und die Aktionsmöglichkeiten der Karten genutzt werden. Außerdem können zwei eigene Arbeiter gegen neue Karten oder Ressourcen eingetauscht werden.
  • In Phase 4 werden überschüssige Ressourcen abgeworfen. (Karten bleiben auf der Hand, jede Kultur hat eine Ressource, die sie ansparen kann).

Nach 5 Runden gewinnt der Spieler mit den meisten Siegpunkten.

Bewertung

Imperial Settlers ist ein wunderschön illustriertes Kartenspiel, dessen Design gewollt an die alten Siedler-Computerspiele erinnern soll. Und das ist dem jungen Grafikdesigner Rafał Szyma wirklich wunderbar gelungen.

Die kleinen knubbeligen Figuren bevölkern die vor dem Spieler entstehende Welt, in der jede Runde mehr Nahrung, Steine und Holz produziert werden. Muss man sich in der ersten Runde noch mit wenigen Holzmarkern zufrieden geben, schwimmt man in späteren Runden schon fast im Geld. Die Aktionen einer Karte ermöglichen die Nutzung der nächsten und es kommt zu erstaunlichen Kettenreaktionen. Und wenn man nicht aufpasst, gehen einem die Handkarten noch vor den Ressourcen aus.

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Die Mischung aus völkerspezifischen und allgemeinen Karten vermittelt tatsächlich eine Fortentwicklung aller Kulturen bei zunehmend individuellerem Spielgefühl der einzelnen Fraktionen. Kein Volk spielt sich wie das andere, die Taktiken unterscheiden sich deutlich.

Die Bauwerke der einzelnen Völker passen thematisch wie die Faust aufs Auge. Die Barbaren erhalten im Kampfring Angriffsmarker für Arbeiter, auf einer Expedition lassen sich diese Angriffsmarker in Siegpunkte umwandeln. Die Japaner gucken sich in Buddhas Tempel zwei Karten an und suchen sich eine davon aus. Der Katanaschmied stellt Waffen her, Reisfeldern produzieren Nahrung. Ägypter bauen Pyramiden, im Basar lässt sich Nahrung für Gold eintauschen. Rom sendet Legionen und Baut man einen Kolossuss, können aus Steinen Siegpunkte entstehen.

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Das Spiel ist schnell aufgebaut, die Anleitung klar strukturiert. Fragen kommen keine auf. Nach zwei Wochen Spielpause kann man sich die Zusammenfassung der Anleitung durchlesen und sofort wieder loslegen.

Imperial Settlers spielt sich flüssig, man hat viele Entscheidungen zu treffen und im Vergleich zum niedlichen Design wartet hier ein Spiel mit sehr angenehm taktischem Tiefgang. Die Spiele enden häufig erstaunlich knapp. Die unterschiedliche Spielweise der einzelnen Völker kann den Anschein erwecken, man liegt weit zurück, nur um dann doch zu merken, dass die Römer in den letzten Zügen alles nochmal rausholen können.

Das Spielmaterial lässt keine Wünsche offen, eine kleine Referenzkarte für jeden Spieler hätte aber sicherlich nicht geschadet. Dafür entschädigen aber Details wie zweiseitige Spielertableaus, jeweils mit einem weiblichen und männlichen Vertreter seiner Kultur. Alles ist optisch sehr ansprechend.

Das Spiel lässt sich zu zweit wunderbar spielen, wir denken sogar, dass es so am meisten Spaß macht. Hat man die Gelegenheit ein gegnerisches Gebäude zu zerstören, muss man schon bei zwei Spielern des Öfteren untersuchen, was für Gebäude der Gegner nutzt. Es liegen einfach zu viele Karten auf dem Tisch, um dauerhaft den Überblick zu behalten.

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Das Spiel verfügt über einen Einzelspielermodus mit eigens dafür reservierten Karten, diesen haben wir jedoch noch nicht getestet.

Fazit

Imperial Settlers macht auf den ersten Blick den Eindruck, ein niedliches kleines Zivilisationsspiel zu sein. In Wirklichkeit ist es ein astreiner Enginebuilder mit zahlreichen taktischen Möglichkeiten und hohem Wiederspielreiz.

Ein wenig schade finden wir, dass schon auf der in Essen verkauften englischen Version für die erste Expansion geworben wird.

Wir glauben, dass dieses Spiel sowohl Gelegenheitsspieler (mit etwas Mühe), als auch Vielspieler begeistern kann.

Imperial Settlers bekommt von uns 8 von 10 Punkten.

Geschrieben von Sebastian.

Subdivision (2014)

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Subdivision ist ein einfaches Strategiespiel von Lucas Hedgren. Optisch erinnert es sehr an das Städteplanspiel „Suburbia“ und es spielt auch  im gleichen Universum. Grund hierfür ist auch die Zusammenarbeit mit Ted Alspach, dem Entwickler von „Suburbia“. Wer allerdings „Suburbia 2“ erwartet hat, wird die Komplexität und die tiefergehende Strategie vermissen. Aber gerade das macht das Spiel aus: Obwohl oder vielleicht gerade weil es einfacher ist, taucht man schnell in die Welt seiner eigenen Stadt ein.

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Um was geht es im Spiel?

Stück für Stück entsteht durch das Anlegen von sechseckigen Plättchen die eigens geplante Vorstadt auf dem eigenen Spielfeld. Der Spatenstich erfolgt durch das Setzen des ersten Zonen-Plättchens. Da man im Laufe des Spiels die meisten Felder abdeckt, sollte man sich nicht von den Minuspunkten abschrecken lassen. Hier zwei Beispiel:

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Das nächste Zonen-Plättchen kann angrenzende Zonen-Plättchen aktiviert, die wiederum Weiterentwicklungen (= Improvements) und Gehwege (= Sidewalks) ins Spiel bringen, die ihrerseits Geld oder Punkte bringen (können). Wichtig ist dabei, dass nur Zonen-Plättchen (Einkaufszentren, Industrie, Wohngebiete, Bürgerämter und Luxusgegenden – in der 1. Reihe) eigenständig auf dem Spielplan positioniert werden, während Weiterentwicklungs-Plättchen (in der 2. Reihe) immer durch Aktionen auf den Zonen-Plättchen ins Spiel kommen.

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Und da ein Sechseckplättchen nun mal neben sechs Ecken auch sechs Kanten hat, können auch mehrere Aktionen beim Anlegen losgetreten werden. Aber es besteht kein Zwang: Wenn es einem gerade nicht passt, muss man nicht anliegend bauen oder Aktionen ausführen.

Grenzen der Vorstadtplanung

Und jetzt kommen wir zu den Spielmechanismen, die dem Stadtplaner  das Leben schwer machen:

  1. Die Zonen-Plättchen werden über ein Drafting-System ausgesucht – bekannt zum Beispiel durch das Spiel „Seven Wonders“. Man hat also nicht unbedingt das zur Verfügung, was gerade gebraucht wird.
  2. Mit einem Würfel wird ermittelt, wo man kostenlos bauen kann. Will man sein Zonen-Plättchen aber unbedingt auf ein anderes Symbol setzen, muss man 2 $ zahlen. Einen Vorteil gibt es dabei aber: Man muss sich erst nach dem Würfeln für ein Plättchen entscheiden und kann seine Strategie noch rechtzeitig umändern.

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Das heißt so lange die richtigen Plättchen kommen und das Geld nicht ausgeht, hat man keine Probleme. Aber das kann schneller passieren als man denkt. Das Startkapitel beträgt lediglich 2 $ (wer soll denn damit eine Stadt bauen?!). Wenn gar nichts mehr geht, gibt es die Möglichkeit sein Plättchen nicht zu bauen und es gegen 2 $ einzutauschen.

Zonen-Plättchen und der Spielablauf

Nach dem Würfeln und der Entscheidung für die Zonen-Plättchen, werden diese von allen Mitspielern direkt gesetzt und die Aktionen auf den angrenzenden Zonen-Plättchen werden sofort ausgeführt. Erst dann werden die verbliebenen Zonen-Plättchen fürs Drafting im Gegen- bzw. Uhrzeigersinn (je nach Runde)  weitergegeben und das Spielchen beginnt von vorne. Insgesamt gibt es 4 Runden, in denen jeweils 4 Zonen-Plättchen ausgesucht werden (also insgesamt 16 Zone-Plättchen). Da jede Runde mit 5 Plättchen beginnt, kommt am Ende jeder Runde eins weg.

Weiterentwicklungs-Plättchen, Gehsteige und Siegpunkte

Für, die die es ganz genau wissen wollen, kommt nun eine detailliertere Beschreibung der Weiterentwicklungs-Plättchen und der Bürgersteige, bei der auch gleich die Siegpunkte beschrieben werden. Alle anderen können eins weiter scrollen.

  • Seen (durch Luxusgegenden) bringen 1 $ für jedes angrenzende Nicht-See-Plättchen
  • Parks (durch Bürgerämter) bringen 1 SP für jedes am Ende anliegende Nicht-Park-Plättchen
  • Schulen (durch Wohngebiete) bringen 8 SP, wenn 3 Schulplättchen aufeinander gestapelt wurden (nur diese Plättchen werden gestapelt)
  • Straßen (durch Industrie) sorgen dafür, dass die Menschen aus den Zonen zum Highway kommen – und das ist auch das, worauf man am meisten achten muss! Denn jedes Zonen-Plättchen, das direkt oder indirekt über freie Flächen oder Straßen an den Highway angrenzt, bringt am Ende 5 SP. (Das können bis zu 80 Punkte sein: 4 Runden mit je 4 Zone-Plättchen ergeben 16 Zone-Plättchen und das Mal 5 SP). Im Vergleich zu freien Flächen haben Highways dabei den Vorteil, dass die Minuspunkte abgedeckt werden. (Alle am Ende noch sichtbaren Minuspunkte werden abgezogen).
  • Gehweg (je 3 Holzstückchen durch Einkaufszentren) verbindet Zonen mit Weiterentwicklungen. Jede Art von Zone (max. 5), die an den Gehweg angrenzt, multipliziert mit jeder Art von Weiterentwicklung (max. 4), der an den Gehweg grenzt, ergibt die Anzahl der Siegpunkte. Das sind also höchstens 5 x 4= 20 SP, da nur der beste Gehweg gewertet wird. Der Gehweg kann dabei durch Verlängerung weit über die ersten drei Stöckchen groß werden.

Zielvorgaben und Grundplan

Noch eine Besonderheit, die dem Ganzen mehr Anreiz gibt: Aus einem Pool von 25 Zielen werden drei Ziele gezogen, die offen auf die Zone-Plättchen der 2., 3. und 4. Runde gelegt werden. Bevor die Runden beginnen, wird die jeweilige Zielbedingung überprüft. Als Belohnung gibt es Geld oder die wiederholte Aktivierung eines schon gesetzten Zonen-Plättchen ohne Anlegen. Zudem variiert die Verfügbarkeit von zwei Ausgangs-Grundstücken das Spiel weiter (Highway mittig oder außen) und es gibt auch verschiedene Ausgangsszenarien. die für noch mehr Spielspaß sorgen. Zum Beispiel „Central Park“ oder „Flussgebiet“. Schön ist übrigens auch, dass erst am Ende gewertet wird. So  geht man voll und ganz in der Rolle des Stadtplaners auf ohne ständig Punkte nachzurechnen und aufzuschreiben. Übrigens sind über 100 Punkte ein gutes Ergebnis.

Bewertung

Das Spiel macht Spaß, trotz Würfelglück versucht man, so viele Punkte wie möglich zu ergattern. Dadurch, dass man aber sehr auf sein eigenes Spielfeld konzentriert ist und bis auf das Drafting keine Interaktion mit den anderen Spielern stattfindet, schaut man selten „über die eigene Stadtgrenze“ hinaus. Das ist auch der Grund, warum man das Spiel gut alleine spielen kann (mit etwas anderem Drafting-System). Kritisieren könnte man auch die etwas komplex aufbereiten Park- und Seen-Plättchen, da hier alle Plättchen abgebildet werden, die Geld oder Punkte einbringen. Hier hätte man einfach darauf hinzuweisen können, dass eben beim Park der Park und beim See der See nichts bringen. Das liegt aber eventuell an Suburbia, das auch dieser Darstellungs-Logik folgt. Oder es ist schon ein Add-On geplant, dass diese Art der Beschreibung benötigt. Insgesamt ist das Design aber recht gradlinig und stilistisch gehalten, wie auch schon bei Suburbia. Man muss die Anleitung aber schon gelesen haben, um die Bedeutung der Icons richtig zu verstehen, wie z. B. dass man den See auch nicht angrenzend bauen kann.

Das Spiel ist trotz seiner hohen Anzahl von Materialien, die zudem sehr hochwertig sind, schnell aufgebaut: Man mischt die benötigten Zonen- Plättchen, zieht drei Ziele und legt die restlichen Plättchen etc. bereit.

Fazit

Subdivision ist ein kleines eher einfaches Strategiespiel gepaart mit ein wenig Würfelglück, das durch seine schlichte Form überzeugt: stilvoll in der visuellen Gestaltung und klar in der Offenlegung der verschiedenen Legemöglichkeiten. Gelegenheitsspieler haben von dem Spiel mehr als Vielspieler. Da sich aber auch eine gewisse Komplexität zum Ende des Spiels auftut und vieles berücksichtigt werden muss, würden wir es bei einer leichten bis mittleren Schwierigkeitsstufe einordnen. Für uns ist es ein „Super-Filler“, ein Spiel das man gut in einer halben Stunde schafft. Übrigens im Gespräch auch von Lucas Hedgren so genannt

Subdivision bekommt von Brettspielduo 7 von 10 Punkte.

 

Um zum Schluss noch ein paar Insights

Wir hatten das Glück auf der Spiel 2014 Lucas Hedgren persönlich kennen zu lernen und haben uns das Spiel von ihm erklären lassen.

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Da haben wir auch erfahren, dass  Lucas Hedgren noch nicht lange mit dem Team von Ted Alspach zusammenarbeitet. Erst nachdem er selbst Suburbia gespielt hat, stellte er die Nähe zu seiner eigenen Spielidee mit dem damaligen klangvollen Arbeitstitel „Neighboorhood Developement“ (übersetzt „Nachbarschaftsentwicklung“) fest. Er handelte sofort, präsentierte sein Spiel Ted Alspach und nun können wir Subdivision zumindest auf Englisch spielen. Wir freuen uns auf jeden Fall sehr darüber, dass die beiden so zusammengekommen sind.