Imperial Settlers (2014)

Imperial Settlers ist ein Kartenspiel des polnischen Spieleentwicklers Ignacy Trzewiczek. Ignacy hat zuletzt mit dem Co-Op Spiel „Robinson Crusoe“ auf sich aufmerksam gemacht, eingefleischte Computerspieler freuen sich schon auf „The Witcher Adventure Game“.

Das Spielmaterial besteht aus 220 Karten, Holzspielsteinen für die 4 Grundressourcen (Holz, Stein, Nahrung, Arbeiter) und dazu noch zahlreichen Kartonplättchen für Angriffs- und Verteidigungsmarker, Gold und sonstige Spielmechaniken.

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Spielbeschreibung

Bei Imperial Settlers versucht man mit einer von vier Fraktionen, den Römern, Barbaren, Japanern oder Ägyptern, die erfolgreichste Zivilisation aufzubauen. Der Erfolg wird dabei anhand von Siegpunkten gemessen, die man durch das Errichten von Gebäuden, durch Karteneffekte oder als Belohnung für einen Handel erlangen kann.

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Für jedes Volk gibt es ein 30 Karten umfassendes Spezialdeck, ein zweites Deck mit allgemeinen Zivilisationskarten steht allen Spielern zur Verfügung. Jede Karte hat bis zu zwei Funktionen, diese unterscheiden sich aber, je nachdem ob es eine völkerspezifische oder allgemeine Karte ist. Grundsätzlich repräsentiert jede Karte ein Gebäude, dass man im Tausch gegen Ressourcen vor sich ablegen kann. Zusätzlich können völkerspezifische Karten als Handelskarte abgelegt werden, sie produziert dann jede Runde eine Ressource. Allgemeine Karten können abgeschmissen werden, um einmalig eine, manchmal auch mehrere Ressourcen, einzubringen.

Als Gebäude ins Spiel gebrachte Karten lassen sich ihrerseits in drei Unterkategorien einordnen:

  • Produktionsgebäude produzieren, das erste mal direkt nach dem Ausspielen, danach zu Beginn jeder Runde, Ressourcen.
  • Eigenschaftsgebäude bieten dauerhafte Effekte, z.B. Siegpunkte für das Ausspielen bestimmter Karten.
  • Auf Aktionsgebäude können z. B. eigene Arbeiter gestellt werden, um Ressourcen zu erzeugen oder Siegpunkte zu generieren.

Das Spiel selbst läuft über fünf Runden zu je vier Phasen.

  • In Phase 1 erhält man je eine Karte seiner eigenen Kultur und 2 allgemeine Karten.
  • In Phase 2 werden Ressourcen produziert.
  • In Phase 3 können abwechselnd Aktionen durchgeführt werden. Es können Gebäude errichtet, Handel abgeschlossen, gegnerische Gebäude überfallen (zerstört) und die Aktionsmöglichkeiten der Karten genutzt werden. Außerdem können zwei eigene Arbeiter gegen neue Karten oder Ressourcen eingetauscht werden.
  • In Phase 4 werden überschüssige Ressourcen abgeworfen. (Karten bleiben auf der Hand, jede Kultur hat eine Ressource, die sie ansparen kann).

Nach 5 Runden gewinnt der Spieler mit den meisten Siegpunkten.

Bewertung

Imperial Settlers ist ein wunderschön illustriertes Kartenspiel, dessen Design gewollt an die alten Siedler-Computerspiele erinnern soll. Und das ist dem jungen Grafikdesigner Rafał Szyma wirklich wunderbar gelungen.

Die kleinen knubbeligen Figuren bevölkern die vor dem Spieler entstehende Welt, in der jede Runde mehr Nahrung, Steine und Holz produziert werden. Muss man sich in der ersten Runde noch mit wenigen Holzmarkern zufrieden geben, schwimmt man in späteren Runden schon fast im Geld. Die Aktionen einer Karte ermöglichen die Nutzung der nächsten und es kommt zu erstaunlichen Kettenreaktionen. Und wenn man nicht aufpasst, gehen einem die Handkarten noch vor den Ressourcen aus.

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Die Mischung aus völkerspezifischen und allgemeinen Karten vermittelt tatsächlich eine Fortentwicklung aller Kulturen bei zunehmend individuellerem Spielgefühl der einzelnen Fraktionen. Kein Volk spielt sich wie das andere, die Taktiken unterscheiden sich deutlich.

Die Bauwerke der einzelnen Völker passen thematisch wie die Faust aufs Auge. Die Barbaren erhalten im Kampfring Angriffsmarker für Arbeiter, auf einer Expedition lassen sich diese Angriffsmarker in Siegpunkte umwandeln. Die Japaner gucken sich in Buddhas Tempel zwei Karten an und suchen sich eine davon aus. Der Katanaschmied stellt Waffen her, Reisfeldern produzieren Nahrung. Ägypter bauen Pyramiden, im Basar lässt sich Nahrung für Gold eintauschen. Rom sendet Legionen und Baut man einen Kolossuss, können aus Steinen Siegpunkte entstehen.

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Das Spiel ist schnell aufgebaut, die Anleitung klar strukturiert. Fragen kommen keine auf. Nach zwei Wochen Spielpause kann man sich die Zusammenfassung der Anleitung durchlesen und sofort wieder loslegen.

Imperial Settlers spielt sich flüssig, man hat viele Entscheidungen zu treffen und im Vergleich zum niedlichen Design wartet hier ein Spiel mit sehr angenehm taktischem Tiefgang. Die Spiele enden häufig erstaunlich knapp. Die unterschiedliche Spielweise der einzelnen Völker kann den Anschein erwecken, man liegt weit zurück, nur um dann doch zu merken, dass die Römer in den letzten Zügen alles nochmal rausholen können.

Das Spielmaterial lässt keine Wünsche offen, eine kleine Referenzkarte für jeden Spieler hätte aber sicherlich nicht geschadet. Dafür entschädigen aber Details wie zweiseitige Spielertableaus, jeweils mit einem weiblichen und männlichen Vertreter seiner Kultur. Alles ist optisch sehr ansprechend.

Das Spiel lässt sich zu zweit wunderbar spielen, wir denken sogar, dass es so am meisten Spaß macht. Hat man die Gelegenheit ein gegnerisches Gebäude zu zerstören, muss man schon bei zwei Spielern des Öfteren untersuchen, was für Gebäude der Gegner nutzt. Es liegen einfach zu viele Karten auf dem Tisch, um dauerhaft den Überblick zu behalten.

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Das Spiel verfügt über einen Einzelspielermodus mit eigens dafür reservierten Karten, diesen haben wir jedoch noch nicht getestet.

Fazit

Imperial Settlers macht auf den ersten Blick den Eindruck, ein niedliches kleines Zivilisationsspiel zu sein. In Wirklichkeit ist es ein astreiner Enginebuilder mit zahlreichen taktischen Möglichkeiten und hohem Wiederspielreiz.

Ein wenig schade finden wir, dass schon auf der in Essen verkauften englischen Version für die erste Expansion geworben wird.

Wir glauben, dass dieses Spiel sowohl Gelegenheitsspieler (mit etwas Mühe), als auch Vielspieler begeistern kann.

Imperial Settlers bekommt von uns 8 von 10 Punkten.

Geschrieben von Sebastian.

La Isla (2014)

Spielcover

Spielbeschreibung

La Isla ist ein Familienspiel für 2-4 Personen von Stefan Feld, bekannt durch seine Spiele „Im Jahr des Drachen“, „Brügge“ und „Die Burgen von Burgund“. In seinen bisherigen Spielen spielt immer wieder ein Gewisser Glücksfaktor eine Rolle und es gibt oft unterschiedlichste Wege, zu Siegpunkten zu kommen (immer wieder wird hier der Begriff Punktesalat herangezogen).

In La Isla verteilt man Forscher durch den Einsatz von Ressourcen (2 Holzklötzchen einer Farbe pro Forscher) auf einem optisch sehr schön gestalteten, modularen Spielfeld.

Modulares-Spielbrett

Die Forscher bleiben dabei auf dem Feld stehen, bis man sie wieder versetzt. Schafft man es, eines der zufällig auf dem Spielfeld verteilten Tierplättchen „einzukreisen“ (dafür braucht man je nach Feld 2 bis 4 eigene Forscher) bekommt man das Tierplättchen und Punkte entsprechend der dafür benötigten Forscher.

Einkreisen

Der Clou des Spiels liegt in der Verwendung von 180 Spielkarten, die jeweils über drei Funktionen verfügen.

Kartenbeschreibung

Jede Runde zieht man 3 dieser Karten und muss sich entscheiden, für welche Funktion man welche Karte einsetzt (in Phase C werden Forscher gesetzt).

Kartenset

Die 3 Funktionen werden dann nacheinander abgehandelt:

  • Funktion 1 ändert die für sich geltenden Spielregeln, man bekommt z. B. mehr Punkte, braucht weniger Ressourcen oder darf mehr Karten ziehen.
  • Funktion 2 bringt einem die aufgedruckte Ressource. Es gibt 5 verschiedene Ressourcen (Holzklötzchen).
  • Funktion 3 erhöht den Punktewert einer Tierart bei der Schlusswertung und bewirkt eine sofortige Wertung eben dieser Tiergruppe.

Haben alle Tiergruppen zusammen einen bestimmten Wert (je nach Spieleranzahl), endet das Spiel. So hat man teilweise die Möglichkeit, das Spielende noch etwas hinauszuzögern oder früher einzuleiten.

Im Laufe des Spiels gibt es also Siegpunkte für das „Einkreisen“ von Tierplättchen und Zusatzpunkte über Funktion 1 der Karten. Am Ende des Spiels gibt es Punkte für die gesammelten Tierplättchen (je nach Wert der Tierart) und 10 Punkte für jedes vollständige Set (es gibt 5 Tierarten).

Bewertung

Den erwähnten Punktesalat gibt es bei La Isla nicht, etwas Glück muss man aber schon haben. Zieht man konstant die falschen Karten, kann das frustrieren. Trotzdem schien es uns bei den bisherigen Spielen am Ende doch immer recht ausgeglichen.

La Isla ist schnell aufgebaut, genauso schnell wieder abgebaut und spielt sich gefühlt kurzweilig. Wenn man nicht gleich nochmal spielt, steht das Spiel nach einer Stunde wieder im Regal.

Das Design des Spielmaterials ist ansprechend. Spielfeld und Tiermarker sind aus ordentlicher Pappe. Punkte und Tiergruppenwerte werden auf einem extra Spielplan festgehalten, dieser ist leider aus sehr dünnem Material. Gleiches gilt für die Spieleretuis (Kartenhalter) und die eigentlich gut durchdachten Spielübersichten. Hier ist auch die Schrift etwas zu klein geraten. Wenn man die Packung aufmacht ist man schon etwas enttäuscht, ich wurde schon gefragt, wie ich an einen Prototypen gekommen bin. Während dem Spiel fällt es aber gar nicht auf,eventuell wurde hier tatsächlich am richtigen Ende gespart. Ach ja, bei den grauen und weißen Holzklötzchen habe ich immer wieder das Gefühl, sie zu verwechseln (Farbe sehr ähnlich) – am Ende passiert es aber doch nicht.

Das Spiel lässt sich gut zu zweit spielen, ich glaube aber mit mehr Personen macht es mehr Spaß. Zu zweit kommt man sich kaum in die Quere und es entsteht lediglich an unterschiedlichen Bereichen des Spielfelds ein Wettrennen um die meisten Plättchen. Hat man sich mit seinen 5 Forschern erst einmal in einer Ecke positioniert, arbeitet man sich einfach nur noch um die Insel herum. Die vorher platzierten Forscher grenzen ja schon wieder an ein neues Plättchen an. Wir stellen uns das Spiel mit 4 Personen am spannendsten vor.

Durch das parallele Spielen wird es eigentlich nie langweilig. Das setzen der Forscher ist die einzige Aktion, die nacheinander durchgeführt werden muss.

Fazit

La Isla ist ein schön gestaltetes Familienspiel mit gewissem Glücksfaktor, der einem aber das Spiel nicht kaputt macht. Durch die vielen Karten und das modulare Spielfeld mit zufällig verteilten Tiermarkern gibt es genügend Abwechslung. Gelegenheitsspieler haben von dem Spiel mehr als Vielspier. Einzelentscheidungen wirken sich nur bedingt auf Sieg oder Niederlage aus. Der das Spielende auslösende Punktemechanismus ist gut durchdacht.

 

La Isla bekommt vom Brettspielduo 7 von 10 Punkten.

 7 von 10 = gutes Spiel, das man gerne immer wieder spielt.