Nauticus (2013)

In Nauticus von Wolfgang Kramer (von „El Grande“ bekannt) und Michael Kiesling (zusammen bekannt von „Tikal“, „Torres“ und „Die Paläste von Carrara“) dürfen wir uns voll und ganz dem Schiffbau hingeben. Nachdem es schon einige Spiele gegeben hat, in denen Schiffe im Mittelpunkt standen (z. B. „Carcassonne Südsee“ oder „Die Entdecker“), geht es jetzt endlich ums Bauen der Schiffe.

Das Spiel setzt sich unter anderem aus einem Spieltableau mit acht modularen Aktionsplatten & einer Drehscheibe sowie 231 Schiffsplättchen, 48 Warenplättchen (Kaffee, Mehl, Salz und Fische) und Material für die Spieler zusammen.

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Schiffe bauen

Gebaut werden die Schiffe in folgender Reihenfolge: Rumpf, Mast und Segel. Auf Mast und Segel sind Wappen abgebildet, von denen jedes Schiff immer nur eine Art tragen darf. Es gibt 4 Wappen und Kronen-Plättchen, die als Joker fungieren. Wir haben uns erst über den langen Mast gewundert, aber daran wird das Segel „angebracht“.

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Und schon ist das 1er-Schiff bzw. ein Abschnitt eines größeren Schiffes fertig. Insgesamt darf das Schiff bis zu vier Masten haben. Das lohnt sich dann auch richtig: Umso größer das Schiff, desto mehr Belohnungen (sofort) und Siegpunkte (am Ende) gibt es. Aber Vorsicht, denn das Fertigstellen des Schiffes wird mit jedem Mast schwieriger – insbesondere bei mehreren Spielern.

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Doch als erfolgreicher Werftinhaber kann man auch mehrere Eisen im Feuer haben und an mehreren Schiffen gleichzeitig herum werkeln. Gerne auch für mehrere Fraktionen gleichzeitig (hier ein Ausschnitt mit schon fertigen Schiffen).

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Und was wäre, wenn man ein Schiff nicht auch noch beladen und diese Waren gewinnbringend veräußern könnte? Genau, dann würde etwas Fehlen. Neben dem Beruf des Werftinhabers kann man sich so auch als Reeder und Warenhändler austoben. Die Schiffe können schon während des Baus mit Waren beladen werden. Ausgeliefert wird aber erst, wenn das Schiff fertiggestellt ist (sonst würde es ja untergehen) und dann auch nur, wenn es komplett beladen ist (sonst lohnt es ja nicht wirklich). Die Siegpunkte dafür gibt es am Ende.

Und jetzt kommt sie, die Goldene Regel. Sie besagt, dass Waren und Schiffs- Plättchen, die man umsonst kauft oder erhält, immer zuerst ins Lager müssen.

Nauticus_01_Lager

Manchmal wünscht man sich daher, dass man wenigsten ein Geld dafür gezahlt hätte. Die Goldene Regel wird übrigens tatsächlich als solche im Regelheft beschrieben und so häufig wiederholt, dass man sie nicht mehr vergisst! Sehr lustig und wirklich gut gemacht. Hier ein kurzer Auszug:

„Und wenn Sie das Spiel erklären, sollten Sie nicht versäumen, diese Goldene Regel oft zu wiederholen und auf die Frage „Muss das jetzt ins Lager?“ mit einem bestimmten „Ja, wie immer!“ zu antworten.“

An Schiffteile und Waren kommt man über Aktionen auf dem Spieltableau: Vier Kaufaktionen stehen für den Erwerb von Rumpf, Mast, Segel und Waren zur Verfügung, Zusätzlich gibt es vier allgemeine Aktionen, bei denen man (von links nach rechts auf dem Bild) Waren verkaufen, Bauteile und Waren vom Lager zur Werft bringen kann, Geld einkassiert sowie Siegpunkte für Kronen („Kronenwertung“) erhält.

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Je nachdem wo sich die Aktion auf dem Tableau befindet, bekommt man unterschiedliche Boni und zahlt man mehr oder weniger für die Waren.

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z. B. zahlt man hier für einen Mast mit Ruder-Wappen 3 Geld und mit Schiffchen-Wappen kein Geld (siehe auf dem Foto).

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Es gibt fünf Runden (bei 2 Spielern vier) …

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… und in jeder Runde werden sieben Aktionen gespielt, wobei jede nur einmal pro Runde ausgewählt werden darf (nach der Nutzung  werden die Aktionsplatten umgedreht).

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Das klingt erst einmal wenig, aber die Aktionsphase hat noch einiges zu bieten:

  • Der Startspieler wählt eine Aktion und erhält den Bonus der ausgewählten Aktion (auf dem Tableau in der Mitte aufgedruckt
  • Alle Spieler dürfen die vom Startspieler ausgewählte Aktion ausführen. Nach jeder Aktion wechselt der Startspieler und der nächste wählt die Aktion aus.
  • Alle Spieler dürfen die Aktion mehrmals hintereinander nutzen. Jedes Mal wird dafür ein Arbeiter benötigt. Dafür stehen einem auf der Drehscheibe 0-3 Arbeiter zur Verfügung, die nur für die jeweilige Aktion genutzt werden dürfen­­­ (d. h. 1-3 Mal ist die Aktion „frei“). Will man sie noch häufiger nutzen, muss man seine „eigenen“ Arbeiter (= Arbeiterklötzchen) nutzen.
  • Alle Spieler dürfen auch passen (auch der Startspieler, der die Aktion ausgesucht hat). Passen hat hier auch etwas Positives: Jeder Spieler startet nämlich jede Runde mit -6 Siegpunkten auf drei Plättchen verteilt (-3, -2 und -1). Wenn man passt, dreht man die Plättchen auf die Rückseite mit der Krone um. Der Clou daran ist, dass man nicht nur keine Siegpunkte mehr abgezogen bekommt, sondern die Krone auch für eine „Kronenwertung-Aktion“ nutzen kann.

Bewertung

Nauticus ist ein Strategiespiel, das durch die Aktionsverteilung auf dem Spieltableau einen geringen Glücksfaktor erhält. Man kann aber argumentieren, dass eben dadurch ein Wirtschaftssystem simuliert wird.

Das Spiel setzt sich aus einer Vielzahl von hochwertigem Material zusammen. Entsprechend lange dauert das Ausdrücken der Teilchen vor dem ersten Spiel.

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Aufgebaut ist es aber bei richtiger Organisation (viele Zip-Beutel) recht schnell. Die Anleitung ist gut strukturiert. Besonders schön ist die Beschreibung des Spielaufbaus.

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Die Möglichkeiten bei Nauticus sind vielfältig. Zu Beginn des Spiels bekommt man recht viele Münzen und Arbeiter, mit denen man aber gut haushalten muss. Das bringt einen schnell in die Zwickmühle, Aktionen nur zu wählen, um an die Boni (auf dem Tableau aufgedruckt) zu kommen. Dabei hangelt man sich häufig von Bonus zu Bonus. Zudem sind häufig bestimmte Aktionsreihenfolgen „vorgegeben“ (z. B. erst Rumpf dann Mast; erst Kaufen dann Verkaufen). War eine Aktion „zu früh“ dran (z. B weil ein Mitspieler sie direkt am Anfang des Zuges nutzt), muss man für bestimmte Handlungen häufig auf die nächste Runde warten. Geschicktes Umdenken hat so einen hohen Stellenwert.

Manchmal wird es richtig knifflig und es gibt keinen Ausweg. So kann es vorkommen, dass man bei der vorletzten Runde alle Schiffe fertiggestellt hat, das Lager leer ist und man in der letzen Runde quasi von vorne anfangen muss. Die ganze Runde fühlt sich dann wie „verschenkt“ an.

Das Spiel ist recht interaktiv, auch wenn der Kontakt nur indirekt über die Wahl der Aktionen zustande kommt. Taktisch ist es sinnvoll die „Kronenwertung“ nicht zu vernachlässigen. Hierrüber lassen sich gerade in den letzen Runden zahlreiche Punkte machen.

Fazit

Nauticus ist ein qualitativ hochwertiges Spiel, die Ausstattung ist üppig und das Design treffend. Am Anfang jeder Runde werden Aktionsmöglichkeiten und Kosten vom Zufall beeinträchtigt. Das trifft aber alle Spieler und simuliert Angebot und Nachfrage. Die Regeln sind schnell erklärt und das Spiel ist angenehm kurzweilig. Das Spiel zu dritt oder viert konnten wir leider noch nicht testen. Die taktischen Möglichkeiten und Arten das Spiel für sich zu entscheiden sind aber leider zu gering.

Nauticus bekommt vom Brettspielduo 6 von 10 Punkten.