Roll for the Galaxy (2014)

Das bisher leider nur auf Englisch erschienene Strategiespiel Roll for the Galaxy (2014) ist die Würfelvariante zum Kartenspiel Race for the Galaxy (2007).

Lange Zeit war das Spiel Mittelpunkt verschiedener Gerüchte, niemand war sich sicher, ob es jemals erscheinen wird. Das erste veröffentlichte Cover wurde schon als Hoax abgestempelt und selbst nach der positiven Stellungnahme des Publishers (Rio Grande Games), dass das Spiel erscheinen wird, schien ein Release fraglich.

Im November 2014 ist Roll for the Galaxy dann doch erschienen und man bekommt es heutzutage sogar bei Amazon; leider kostet es meistens über 70 €.

Für den Preis bekommt man über 100 „Custom Dice“ (speziell für das Spiel hergestellte Würfel), viele dicke Papp-Plättchen, 5 Plastik-Würfelbecher und wenn man Glück hat sogar eine Anleitung (bei uns hat sie gefehlt).

000_Roll

03_Roll

Bei dem Spiel an sich geht es darum, mit Würfeln, die als Arbeiter eingesetzt werden können, Technologien zu erforschen und Planeten zu besiedeln.

00_Roll

010_Roll

Technologien bringen spielerische Vorteile (mehr Geld, Würfel entgegen der Regeln setzen), Planeten geben neue Würfel. Es gibt 7 verschiedene Würfelfarben, die über verschiedene Verteilungen von Aktionen verfügen. Je nachdem, welche Planeten man baut, bekommt man die verschiedenfarbigen Würfel. So stellt man sich, ähnlich wie bei einem Deckbauspiel, seine optimierte Arbeiterschaft zusammen.

Das Spiel endet, wenn eine gewisse Anzahl an Technologien erforscht oder Planeten besiedelt wurden.

040_Roll

Bewertung

Das Spiel ist sehr schnell aufgebaut, relativ schnell erklärt und spielt sich in angenehmen 45 Minuten. Und das unabhängig von der Spielerzahl (2-5), da die meisten Aktionen parallel ablaufen.

020_Roll

01_Roll

Wir haben das Spiel mittlerweile zu zweit, zu dritt und zu viert gespielt und es hat uns in allen Varianten gefallen.

Roll for the Galaxy hat bis jetzt jedem, mit dem wir gespielt haben, Spaß gemacht und auch wir holen es immer wieder gerne aus dem Regal.

Das Spiel ist nicht zu glückslastig, es passiert aber schon hin und wieder, dass ein Spiel überhaupt nicht läuft. Die kurze Spielzeit mildert den Frust jedoch ab.

Man hat während des Spiels genügend Entscheidungen zu treffen, das Spiel ist kurzweilig und jede Runde macht Spaß; von Anfang an.

Ein tolles Würfelspiel mit tollem Material und eine würdige Variante zum auch von uns sehr geschätzten Race for the Galaxy.

030_Roll

PS: Wer sich fragt, wie sich Roll im Vergleich zu Race schlägt, es bleibt dem Thema treu, viele Mechaniken lassen sich wiederentdecken, es ist aber trotzdem verschieden genug um beide zu haben.

 

Auf den Spuren von Marco Polo (2015)

In dem Spiel Auf den Spuren von Marco Polo durchquert man mit 2-4 Spielern Asien auf verschiedenen Pfaden und begibt sich damit auf die Reisen des Abenteurers. Das Spiel ist von Simone Luciani und Daniele Tascini, den Erfindern von „Tzolk’in“ (einem recht komplexen Worker-Placement-Spiel). Bei Marco Polo handelt es sich aber nicht um ein Worker-Placement-, sondern um ein Würfel-Placement-Spiel (bekannt aus „Kingsburg“, „Troyes“ oder „Burgen von Burgund“).

Würfel-Placement-Spiel

Jeder Spieler erhält 5 Würfel, die er auf verschiedene Aktionen setzen kann, um möglichst effizient zu benötigte Ressourcen zu erlangen. Dabei spielt auch die Anzahl der Würfel und die Zahl auf den Würfeln eine Rolle: umso höher, desto besser fallen die Belohnungen aus, teilweise erhöhen sich aber auch die Kosten.

Im Folgenden wollen wir auf die unterschiedlichen Aktionsmöglichkeiten eingehen:

Einige Basisaktionen wie die Bewegung auf der Landkarte und der Erhalt von neuen Aufträgen, Waren oder Geld stehen von Anfang an zur Verfügung.

Waren kaufen

Reisen

Aufträge erwerben

Das Besondere an Marco Polo ist aber das Freischalten weiterer Aktionen auf den verschiedenen Städten des Spielplans. Dazu muss auf den Orten Halt gemacht werden – reines Durchziehen gilt nicht (hier errichtet man dann automatisch einen so genannten Handelsposten).

Webposten und neue Aktion

Sonder-Bonus

Zudem lohnt sich das Reisen neben neuen Aktionen und Sonderboni, da jeder Spieler zwei Zielkarten (ähnlich wie bei „Zug um Zug“) erhält, die wiederum Siegpunkte bringen können.

Siegpunkte gibt es während des Spiels, wenn man

  • Aufträge erfüllt und
  • Tauschaktionen in Städten durchführt.

Am Ende erhält der Spieler zusätzliche Punkte, wenn er

  • das Erfüllen der Zielkarten schafft (oder zumindest einzelne Städte davon bereist hat),
  • die meisten Aufträge insgesamt erfüllt hat,
  • das Setzen (fast) aller Handelsposten,
  • das Erreichen von Beijing.

Beijing erreicht

Doch die Reise auf den Spuren von Marco Polo ist nicht leicht, so dass jeder Spieler gleich zu Spielbeginn einen Begleiter von Marko Polo wählen darf, der einem starke Sondereigenschaften beschert. Diese variablen Spielereigenschaften bestimmen die eigene Taktik, da man z. B. statt in Venezia in Beijing startet, keine Extrakosten für zusätzliche Aktionen zahlen muss oder einen weiteren Würfel zur Verfügung hat.

Überblick Spieler A

Überblick Spieler B

Dadurch ist es gleich viel spannender, über die Ausgewogenheit der einzelnen Charaktere wird aber gerne diskutiert. Manch ein Begleiter erscheint je nach Spielerkonstellation besonders stark.

Bewertung

Der sehr schön gestaltete Spielplan lässt einen sofort in die Welt der mittelalterlichen Entdecker eintauchen. Dabei wird der Spieler gleich zu Beginn vor eine wichtige Entscheidung gestellt: Die richtige Strecke muss gewählt werden. Das ist so bedeutsam, weil eine Umkehr kaum sinnvoll bzw. möglich ist. Das Reisen ist teuer und Verstrebungen zwischen den Wegen fehlen. Es passiert daher schon häufiger, dass man die beiden Zielkarten, die man zu Beginn des Spieles erhält, nicht erfüllt (da nicht alle vier Städte bereist werden konnten).

Wegstrecken

Das Spiel ist vielseitig und liefert dem Spieler eine Fülle an taktischen Möglichkeiten, da der Spielplan jedes Mal neu aufgebaut wird:

Material

Die Bonus-Plättchen werden neu gesetzt und aus einer Vielzahl von Aktionen werden pro Spiel nur wenige auf die Städte verteilt. Das sorgt für immer neue Kombinationsmöglichkeiten. Doch am stärksten verändert sich das Spiel durch den jeweiligen Begleiter. Dadurch steigt der Wiederspielwert enorm. Gleichzeitig sind die Grundregeln aber einfach und ermöglichen einen schnellen Einstieg in das Spiel.

Das Material ist sehr hochwertig, als Ressourcen dienen kleine Holzfiguren (Kamele, Pfeffersäckchen, Seide und Gold), die es in kleiner und großer (dreifacher Wert) Variante gibt. Dabei kommt man aber leider schon einmal durcheinander, um welche Wertigkeit es sich nun handelt, wenn man gerade in seinem Depot keins zum Vergleichen hat.

Holzfiguren

Der Glücksfaktor hält sich trotz der Würfel in Grenzen, da es Möglichkeiten gibt, Würfel neu zu würfeln bzw. weiter zu drehen. Diese Sonderaktionen lassen sich mit Kamelen bezahlen und jederzeit durchführen. Weitere Sonderaktionen sind drei Kamele in einen zusätzlich Würfel oder einen Würfel in 3 Geld umtauschen. Diese Zusatzaktionen können bei Bedarf vor der eigentlichen Aktion durchgeführt werden.

Spielüberblick

Fazit

Marco Polo ist ein wirklich schön gestaltetes Spiel, das mit seinen vielen kniffligen Entscheidungen glänzt. Durch asynchronen Startbedingungen (Variable Spielereigenschaften) und dem modularen Spielaufbau gleicht kein Spiel dem anderen. Die einfach gehaltenen Spielrunden ermöglichen es, sich voll auf seine taktischen Möglichkeiten zu konzentrieren. Das Spiel fesselt einen bis zum letzten Augenblick. Man hat nie Gewissheit darüber, ob man noch all seine Ziele schafft und damit die spielentscheidenden Punkte nach Hause holen kann.

Auf den Spuren von Marcl Polo bekommt von uns eine Kaufempfehlung und 9 von 10 Punkten.